Lerntypen

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Kannst du dir neue Vokabeln besonders gut merken, wenn du ein Bild siehst und die Vokabel darunter steht? Musst du die Begriffe mehrfach hören, damit du sie dir einprägen kannst, oder bleiben neue Vokabeln immer dann gut in deinem Gedächtnis hängen, wenn du sie nachsprichst – am Besten noch in einem Beispielsatz? Jeder Mensch lernt anders.

Deutsch perfekt

-Redakeurin Barbara Kerbel bringt Licht in den Lerntypen-Dschungel.

Eine Stunde im Sprachkurs, das Thema: Passiv-Konstruktionen. Alexandra, die Lehrerin, erklärt, wie man Sätze im Passiv bilden kann. Christina schreibt jedes Wort mit, blättert dann in ihrem Buch und liest die Erklärungen. Jessica hört konzentriert zu, stellt drei Fragen und notiert sich ein paar Stichpunkte. Michael zeichnet eine kleine Skizze, mit Pfeilen markiert er, wie sich die Wörter ändern. Massimiliano formuliert gleich einen Beispielsatz.

Jeder Mensch lernt anders

Vier verschiedene Schüler, vier verschiedene Arten, mit dem neuen Lernstoff umzugehen. „Die Menschen unterscheiden sich danach, wie sie Informationen aufnehmen und verarbeiten“, sagt der Sprachlehrforscher Rüdiger Grotjahn von der Ruhr-Universität Bochum. Jeder Mensch lernt anders. Zum Beispiel kann man verschiedene Arten der Wahrnehmung unterscheiden: Nehmen wir Information eher visuell wahr oder auditiv? Pädagogen und Psychologen sprechen von Lernstilen und Lerntypen; in diesem Artikel werden die Begriffe synonym verwendet. „Lernstile sind Präferenzen bei der Wahrnehmung, der Verarbeitung von Informationen und der sozialen Interaktion“, sagt Grotjahn.

Die Lerntypen von Frederic Vester

Eines der ältesten und in Deutschland bekanntesten Modelle sind die Lerntypen von Frederic Vester. In seinem Buch “Denken, Lernen, Vergessen” beschrieb er 1975 vier verschiedene Arten, wie Menschen mit Informationen umgehen: Der auditive Typ lernt durch Hören und Sprechen, der op­tisch-visuelle Typ lernt durch Anschauen und Beobachtung, der haptische Typ lernt dadurch, dass er ein Modell anfasst und fühlt, und der intellektuelle Typ lernt durch analytisches Nachdenken.

Diese Theorie ist heute noch in der Päda­gogik populär – aber wissenschaftlich wurde das Konzept in den letzten Jahren oft kritisiert. Sicher ist aber: „Wir wissen heute, dass es auch beim Lernen deutliche Unterschiede zwischen den Menschen gibt“, sagt Grotjahn. Das Konzept unterschiedlicher Wahrnehmungspräferenzen findet sich heute in vielen psychologischen Tests.

Wie lerne ich am besten?

Lerner unterscheiden sich aber nicht nur in ihrer Wahrnehmungspräferenz. Man kann noch viele andere Facetten von Lernstilen identifizieren: Lernt man analytisch? Lässt man sich leicht ablenken? Ist man schnell frustriert, wenn etwas nicht klappt? „Auch die soziale Interaktion ist ein wichtiger Aspekt des Lerntyps“, sagt Grotjahn.

Ganz egal welche Facetten sie messen, für alle Tests gilt: Ihr Ergebnis zeigt eine Präferenz an. Das heißt nicht, dass man nur auf diesem Weg Informationen aufnehmen kann. Am wichtigsten ist, dass man über sein eigenes Lernverhalten nachdenkt – und sich die Frage stellt: Wie lerne ich am besten? „Das erweitert das eigene Potenzial, zu lernen“, sagt Grotjahn – nicht nur beim Sprachlernen.

Der auditive Lerntyp

Der auditive Lerntyp hat eine Präferenz für akustische Infor­mationen. Es fällt ihm leicht, im Unterricht zuzuhören und sich an das Gehörte zu erinnern. An Inhalte, über die er mit anderen gesprochen hat, erinnert er sich besonders gut.

So lernt der auditive Lerntyp:

- Sprich den Lernstoff auf Tonband, CD oder auf deinen mp3-Spieler. Hör dir die Auf­nahme mehrmals an – zum Beispiel beim Autofahren oder Joggen.
- Sprich die Wörter, die du lernst, an einem stillen Ort aus dem Gedächtnis vor dich hin.
- Formuliere Fragen und Antworten zu den Themen, die du lernen willst. Sprich vor allem vor einer Prüfung zur Übung alles laut aus.
- Treffe dich mit anderen Lernern aus deinem Sprachkurs. Diskutiere den Stoff mit ihnen, stelle viele Fragen.

Der visuelle Lerntyp

Der visuelle Lerntyp kann sich am besten an die Inhalte erinnern, die er auf Bildern, Skizzen und Grafiken gesehen hat.

So lernt der visuelle Lerntyp:

- Schreib Vokabeln, Grammatikregeln und andere Lerninhalte auf ein großes Lernplakat. Häng es an einem Ort in deiner Wohnung auf, an dem du immer wieder vorbeikommst.
- Mach dir Skizzen und Grafiken. Reproduziere sie aus dem Gedächtnis.
- Benutze viele Farben, markiere dir wichtigen Lernstoff deutlich.
- Suche im Internet nach Bildern, Grafiken und Videos. Schau dir DVDs in deiner Lernsprache an und lies den Untertitel mit.

Der Lesen-&-Schreiben-Lerntyp

Der Lesen-&-Schreiben-Lerntyp liest gerne und lernt am liebsten mit Büchern, Zeitschriften und Texten aus dem Internet oder anderen Medien. Sachen, die er sich aufschreibt, kann er sich besonders gut merken.

So lernt der Lesen-&-Schreiben-Lerntyp:

- Lies so viel wie möglich in deiner Lernsprache – auch schwierigere Texte: Probiere aus, wie viel du schon verstehst, auch wenn du noch nicht alle Wörter kennst. Suche im Internet nach Artikeln in deiner Lernsprache.
- Schreibe im Unterricht viel mit. Schreibe unbekannte Wörter auf und suche im Wörterbuch ihre Bedeutung. Schreibe Wörter, die du dir nur schwer merken kannst, immer wieder auf.

Der motorische Lerntyp

Der motorische Lerntyp probiert etwas am liebsten gleich aus. Wenn er sich zum Beispiel ein neues Computerprogramm kauft, setzt er sich gleich an den Computer und testet alle Funktionen nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“. Er erinnert sich am besten, wenn er etwas selbst machen kann oder der Lehrer ihm wenigstens ein praktisches Beispiel nennt.

So lernt der motorische Lerntyp:

- Sorge für Abwechslung beim Lernen. Bewege dich in den Pausen. Wiederhole das Gelernte auf einem Spaziergang.
- Bring den Lernstoff in Beziehung zu eigenen Erinnerungen. Denk dir Beispiele und Anwendungsmöglichkeiten aus.
- Übe vor einer Prüfung die Situation im Rollenspiel mit anderen Teilnehmern aus deinem Kurs.

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